Cyndie Allemann im Interview
Kunden-Hotline: 069 - 8580 1197
Montag bis Freitag 9-17 Uhr

Cyndie Allemann im Interview

Cyndie Allemann

Cyndie Allemann – www.cyndieallemann.com/de/

Als erfolgreiche Rennfahrerin hat Cyndie Allemann Karriere gemacht. Mittlerweile ist die strebsame Schweizerin unter anderem als Motorsportexpertin im Fernsehen zu sehen oder gibt ihr Fachwissen als Coach weiter. Im Interview spricht sie über die Anfänge ihres Werdegangs, typische Sonntage und welche besonderen Merkmale bei Rennfahrern von Vorteil sein können.

 

1. Cyndie, wie bist du eigentlich zum Rennsport gekommen?

Mein Papa ist früher Go-Kart gefahren. Er hat damit schon mit 15 Jahren angefangen. Mein größerer Bruder ist 2 Jahre älter als ich und hat sogar schon im Alter von 5 Jahren angefangen. Deshalb war ich fast jedes Wochenende mit auf der Rennstrecke. Als ich etwa 5 Jahre alt war, wollte ich eigentlich Motorrad fahren, aber mein Papa hat gesagt: „Nein, bist du verrückt? Aber wenn du willst, kannst du mal das Go-Kart von deinem Bruder nehmen und das ausprobieren.“ Dann habe ich mich entschlossen, dass ich das mal ausprobieren wollte. Und so hat alles angefangen.

 

2. Hättest du damals nicht mit dem Go-Kart begonnen, würdest du also jetzt wahrscheinlich an Motorradrennen teilnehmen?

Ich weiß es nicht, weil ich bin immer Motorrad gefahren. Und mein Papa hat damals gesagt: „Wenn du Motorrad fahren willst, musst du bei mir arbeiten. Und wenn du genug gearbeitet hast, dann bekommst du ein Motorrad.“ Dann habe ich 2 Jahre bei meinem Papa gearbeitet. Er war Zimmermann. Mit 10 Jahren habe ich dann mein erstes Motorrad bekommen. Da war ich aber erst nicht so erfolgreich. Ich bin immer auf den Boden gefallen. (lacht)

 

3. Kannst du dich noch an dein erstes Kartrennen erinnern?

Ja, es war total chaotisch. Ich war total schlecht. Ich bin mit 8 Jahren die Schweizer Meisterschaften gefahren. Und ich war wirklich langsam. Mein Bruder war in der gleichen Klasse und hat mich zwei Mal überrundet. Das war katastrophal. Beim Start ist mir ein anderer ins Kart gefahren. Danach weinte ich und hatte voll Angst. Also es war anfangs eine nicht so gute Erfahrung. Meine Eltern haben immer gesagt, solange es mir Spaß macht, kann ich es ruhig machen, aber sie haben meine Zukunft nicht wirklich im Motorsport gesehen.

 

4. Heute überrundest du dafür deinen Bruder?

Nein, gar nicht. Wir fahren gerne zusammen, aber er ist sehr stark. Wir haben auch ein gemeinsames Go-Kart-Geschäft „Spirit Karting“ in der Schweiz und sind damit sehr erfolgreich. Mein Bruder ist dabei der Teamchef vom Racing-Team. Er hat selber schon Erfahrungen in einer Formel-Rennserie gesammelt.

 

5. Verfolgst du sonst auch andere Sportarten im TV?

Ich gucke eher wenig TV, weil ich immer sehr viel unterwegs bin. Wenn ich Zeit habe, verfolge ich natürlich Formel 1 oder auch MotoGP.

 

6. Wie würdest du dich bei einem Formel-1-Rennen anstellen?

Das wäre ein Traum, aber wäre jetzt noch schwierig, in ein Formel-1-Wagen einzusteigen. Ich bin die letzten 2 Jahre weniger Rennen gefahren. Das wäre jetzt eine große Herausforderung. Ich müsste mich sehr anstrengen und trainieren, damit ich auf so ein hohes Niveau wieder kommen würde. Man muss auch realistisch sein. Früher als ich zwischen 18 und 20 Jahren alt war, war es auf jeden Fall ein Ziel von mir, aber jetzt wäre es zu schwierig.

 

7. In Sportarten wie Fußball oder Handball gibt es eine strikte Trennung zwischen Männern und Frauen. Im Rennsport ist das grundsätzlich nicht der Fall. Warum gibt es dennoch in den meisten Rennklassen nur sehr wenig Frauen?

Das ist kein typischer Sport, für den sich Mädchen von klein auf begeistern können. Zusätzlich ist es auch ein Sport, den viele nicht machen können. Wenn du die Unterstützung von deinen Eltern nicht hast, kannst du das als Kind nicht machen, weil es einfach zu teuer ist. Das zweite Problem ist, wenn bereits viele Männer in diesem Sport tätig sind, sind die Frauen meistens eher zurückhaltend und ich vermute, dass sie sich dann nicht trauen, in den Sport einzusteigen. Es ist auch eine Machowelt. Es gibt viele Sprüche. Aufgrund der vielen Kleinigkeiten bilden Frauen vermutlich eine Barriere, mit dem Motorsport überhaupt zu beginnen. Aber man sieht mehr und mehr gute Frauen im Motorsport und man darf auch nicht vergessen, dass es ein Sport ist, in dem man viel Mut braucht, den oft eher die Männer haben. Je früher man als Frau anfängt, desto besser ist das. Ab einem Alter von 14 Jahren entwickelst du mehr Angst. Wenn du das Fahren früher gelernt hast, weißt du später besser mit der Geschwindigkeit und somit mit der Angst umzugehen.

 

8. Du bist auch als Ausbilderin im Rennsport tätig. Was macht dir dabei am meisten Spaß?

Für mich ist es ein gutes Gefühl, mein Wissen weiterzugeben. Im öffentlichen Straßenverkehr werden schon schnelle Autos gefahren und viele Leute können diese Autos nicht richtig beherrschen. Es ist schön, Leute dabei zu beobachten, wie sie sich von Tag zu Tag steigern können und sich dann auch auf den Straßen sicherer fühlen.

 

9. Was wünscht du dir für die Zukunft in Bezug auf die Rennsportausbildung? Wie kann man die Menschen mehr dafür begeistern?

Im Rennsport ist es schwierig, weil die Preise dafür so hoch sind. Ich komme aus einer ganz normalen Familie. Viele können es sich gar nicht leisten, mal mit einem Rennauto auf der Rennstrecke zu fahren. Ich wünsche mir einfach, dass zum Beispiel die Kosten für die Streckenmiete fair sind und jeder mal die Möglichkeit haben kann, die Rennstrecke zu erleben und Spaß dort zu haben.

 

10. Sonntag ist für viele ein Tag der Entspannung. Wie kann man sich einen typischen Sonntag bei Cyndie Allemann vorstellen?

Klar, ich brauche auch manchmal ein bisschen Entspannung. Jeden Tag auf die Rennstrecke, das schaffst du nicht. Aber ich bin schon sehr viel unterwegs. Und meine Absicht ist auch mal Go-Kart zu fahren, wenn ich ein Wochenende frei habe. Dann bin ich auch mal am Samstag oder Sonntag mit Kollegen oder zusammen mit meinem Freund am Go-Kart-Fahren. Einfach ein bisschen genießen. Beim Go-Kart-Rennen bin ich auch meist als Coach oder Mechaniker. Ich beschäftige mich schon viel mit dem Motorsport, aber es gibt auch mal Sonntage, an denen ich nichts mache.

 

11. Bei Fahranfängern gibt es oft die Diskussion, ob es beim Go-Kart-Fahren besser ist, ein niedriges oder ein hohes Gewicht zu haben. Ein hohes Gewicht spricht für eine bessere Bodenhaftung. Aber eigentlich müssten doch leichte Personen einen Vorteil haben, weil sie viel schneller beschleunigen können, oder?

Klar. Bei wichtigen Meisterschaften musst du sogar ein Mindestgewicht erreichen, sonst wirst du disqualifiziert. Ich hatte immer ungefähr 30 Kilogramm Blei am Go-Kart, weil ich sonst zu schnell gewesen wäre. Ein Unterschied von 10 Kilogramm sind bei manchen Strecken schon ein Zeitgewinn von einer Sekunde. Aus den Kurven kannst du dadurch viel schneller rausbeschleunigen.

 

12. Bei Grip auf RTL2 stellst du dein fahrerisches Können immer wieder unter Beweis. Wer ist der beste Fahrer unter deinen Moderatorenkollegen?

Wer ist der beste Fahrer? Wir haben alle unsere Stärken und Schwächen. Es ist nicht einer besser als der andere. Du musst dir vorstellen, dass wir die Autos bekommen und sehr wenig Zeit haben, die Autos kennenzulernen. Es muss alles schnell gehen. Natürlich versuchst du das beste rauszuholen, was du kannst. Ich denke, wir sind alle auf jeden Fall auf einem sehr starken und guten Niveau. Weil wenn wir mit den Autos gegeneinander antreten und die Autos etwa auf derselben Höhe sind, sind wir von der Rundenzeit meist ziemlich gleich. Also da müssen wir richtig kämpfen.

 

13. Als Rennfahrerin bist du hohe Geschwindigkeiten gewohnt. Macht dich das auch risikofreudiger bei privaten Autofahrten?

Also ich muss sagen, ich bin sehr glücklich mit meinem Leben, weil ich immer schnelle Autos auf der Rennstrecke fahren darf. Deswegen brauche ich auf der Straße nicht noch schnell fahren. Klar, wenn ich die Autobahn für mich frei habe, gebe ich schon Gas. Aber sonst bei viel Verkehr, besonders hier in der Schweiz, kann ich nicht wirklich schnell fahren. Sonst verliere ich noch meinen Führerschein und in der Schweiz kostet es auch sehr viel Geld, wenn du zu schnell gefahren bist. Deswegen passe ich da schon auf, weil wenn ich keinen Führerschein mehr habe, kann ich auch nicht mehr arbeiten.

 

14. In Deutschland gibt es auf den Autobahnen generell keine Geschwindigkeitsbegrenzung.

In Deutschland ist es natürlich optimal. Aber es ist auch viel Verkehr. Du kannst also nicht so schnell fahren, außer am Abend vielleicht.

 

15. Als Rennfahrerin reist du viel durch die Welt. Welchen Ort fandest du bisher am beeindruckendsten?

Japan fand ich sehr beeindruckend, weil die Leute hier sehr motorsportbegeistert sind und sehr viel die Fahrer unterstützen. Ich bin aber auch in Amerika gefahren, wo die Fans sehr begeisterungsfähig waren. Wenn dich die Leute da kennenlernen, verfolgen manche auch weiterhin deine Karriere. Jedes Land ist anders. Mein Lieblingsland ist aber die Schweiz. Ich bin immer froh und fühle mich wohl, wenn ich nach Hause komme.

 

16. Eine letzte Frage, die zukünftige Rennfahrer/innen wahrscheinlich brennend interessiert. Was sind die 3 wichtigsten Eigenschaften, die man als Rennfahrer/in haben sollte?

Als erstes braucht man einen wirklich großen Willen. Im Rennsport ist es wirklich schwierig seinen Weg zu gehen. Es läuft nicht immer so, wie man will. Das ist abhängig vom Material, vom Team, von deinem Zustand, von den Bedingungen. In deiner Karriere gibt es sowohl Höhepunkte als auch ganz tiefe Punkte und dann musst du wieder aufstehen und weiterkämpfen und das ist wirklich eben dieser Wille. Motivation. Das ist wirklich etwas, was man am meisten braucht. Zusätzlich würde ich sagen, dass du als Rennfahrer Präzision benötigst. Du musst eigentlich fahren wie auf Schienen. Du solltest jede Runde das gleiche fahren. Als Drittes musst du sehr fit sein, weil das Fahren körperlich und geistig sehr anstrengend ist. Und wenn du nicht richtig trainierst und nicht richtig isst, dann hast du wirklich ein Problem bei den Rennen. Aber es gibt noch viele andere Eigenschaften, die ein Rennfahrer haben muss, um richtig stark zu sein, aber ich würde sagen, das ist für mich das wichtigste.

Auszug der Tarifanbieter

Tarifanbieter